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Ergebnisse Fachforum Planungsgruppe 2

Fachforum "Flexible und inklusionsorientierte Unterstützungsdienste" 20. September 2016

Das Fachforum zur Planungsgruppe 2 "Flexible und inklusionsorientierte Unterstützungsdienste" wurde von Herrn Kreisdirektor Theo Melcher eröffnet, der die Bedeutung der Inklusionsplanung für die weitere Ausrichtung der Angebote, nicht nur für Menschen mit Behinderungen unterstrich.
Anschließend stellte Herr Matthias Kempf in einer Präsentation die Arbeit und die Ergebnisse der Planungsgruppe 2 vor. Im Verlauf der Präsentation wurden Fragen aus dem Plenum diskutiert und Anregungen für die Weiterarbeit gegeben.

In einer anschließenden Gruppenarbeitsphase wurden zu den Themen der Planungsgruppe Zukunftsszenarien für das Jahr 2037, sowie darauf aufbauend nächste Schritte für den Inklusionsprozess erarbeitet. Ausgangspunkt waren dabei jeweils die einschlägigen Artikel der UN-Behindertenrechtskonvention.

 

Ergebnisse der Gruppendiskussion zum Thema ‚Arbeit':

Situation im Jahr 2037 im Themenfeld "Arbeit"

Die Bedeutung der Arbeit für die soziale Teilhabe wird allgemein wahrgenommen und gewürdigt. Dies drückt sich darin aus, dass Betriebe und Verwaltungen von sich aus Tätigkeiten und Bereiche ausweisen, deren Bearbeitung von Menschen mit Behinderungen möglich ist. Hierbei werden die Betriebe von ihren Verbänden oder Kammern unterstützt und begleitet. Die Beschäftigung sichert eine gerechte Entlohnung und ist nicht auf den Niedriglohnsektor ausgerichtet.
Gleichzeitig wird der Zergliederung des Hilfesystems auf zwei Wegen begegnet: Einerseits ist Wissen über den Umgang mit Behinderung weiter verbreitet und andererseits ist ein konsequent an den Bedarfen der Menschen mit Behinderungen orientiertes Case-Management etabliert. Hochspezialisierte Einrichtungen werden zugunsten einer flexiblen Unterstützung am jeweiligen Arbeitsplatz zurückgefahren. Dadurch ist die Nutzung von Unterstützung auch weniger stigmatisierend, da Hilfe im allgemeinen System erbracht wird und nicht in einem zweiten System, das nach außen eine Hürde für den Eintritt und durch die Gestaltung gleichzeitig eine hohe Hürde für den Wiedereintritt in das allgemeine System darstellt.

Änderungen, die 2017 anzustoßen sind:

Um diesen Zielen näher zu kommen muss heute deutlich auf einen Bewusstseinswandel, gerade auf der Ebene der Städte und Kommune, aber auch in den Betrieben und Verwaltungen hin gearbeitet werden. Ein wesentlicher Schritt kann dabei die Vermittlung von positiven Beispielen gelungener Inklusion auf dem ersten Arbeitsmarkt sein. Beispiele von individuell zugeschnittenen Arbeitsplätzen, verantwortungsvollen Arbeitgebern und guter Zusammenarbeit können im Kreis benannt werden und sollten auch Thema in den Kommunalparlamenten werden, wo bisher die Diskussion im Bereich Schule dominiert. Die Höhe der Ausgleichsabgabe ist aktuell zu gering und die Möglichkeit über Auftragsvergaben die Beschäftigung im Betrieb zu vermeiden zu leicht. Hier sollte den Kommunen ein größerer Einfluss auf die Verwendung der Ausgleichsabgabe zukommen.
Gleichzeitig sind alle Beteiligten in der Arbeit aufgefordert individuell hilfreiche Arrangements zu unterstützen und Diskussionen über Zuständigkeiten und Budgetfragen nicht zulasten der Menschen mit Behinderungen zu führen.

 

Ergebnisse der Gruppendiskussion zum Thema ‚Beratung':

Situation im Jahr 2037 im Themenfeld "Beratung"

Es gibt eine einheitliche Anlaufstelle, an die sich Menschen auch mit komplexen Problemen wenden können. Diese macht auf der Grundlage umfassender Informationen Vorschläge für ein passendes Unterstützungsangebot und begleitet im Sinne des Case Managements die Zusammenstellung. Zur Zusammenstellung der Information und auch der Zusammenführung der unterschiedlichen Dienstleister und Akteure werden die Möglichkeiten des digitalen Zugriffs auf Informationen und der digitalen Kommunikation genutzt.

Änderungen, die 2017 anzustoßen sind:

  • Verbindlichkeit des Beratungsnetzwerkes erhöhen
  • Bestehende Angebote digital erfassen, d.h. "katalogisieren"
  • Verantwortlichkeiten klären
  • Vorhandene Ressourcen auf einheitliche Anlaufstelle bündeln und stärker steuern

Idee: Pflegestützpunkte und Neuordnung der trägerübergreifenden Beratung im Bereich der Rehabilitation nutzen für ein Modellvorhaben, um Beratung "sektorübergreifend" zu entwickeln. Dazu gehören perspektivisch auch weitere Bereiche.

 

Ergebnisse der Gruppendiskussion zum Thema ‚Wohnen':

Situation im Jahr 2037 im Themenfeld "Wohnen"

  • These: Wohnen nach Wahl durch Angebotsvielfalt unabhängig vom individuellen Unterstützungsbedarf kann entstehen. Die notwendigen grundlegenden Rahmenbedingungen sind verfügbarer, barrierefreier, bezahlbarer Wohnraum in einem zugänglichen und nutzbaren Umfeld, mit individueller, flexibler Unterstützung.
  • Die Wohnungssuche erfolgt über einen Makler/eine unabhängige Wohnvermittlungsstelle.
  • Es stehen genügend Wohnungen zur Verfügung, die barrierefrei und gleichzeitig bezahlbar sind.
  • Als Teil der kommunalen Daseinsvorsorge wird die Sorge für Wohnraum und für eine für alle nutzbare Infrastruktur allgemein geteilt. Ein funktionierender ÖPNV ist hierbei ein wesentlicher Bestandteil.
  • Die Finanzierbarkeit von Wohnformen ist gewährleistet. Es gibt keinen Mehrkostenvorbehalt mehr. Dadurch wird die Betreuung und Versorgung in kleineren WGs mit ausreichendem Personal möglich. Durch solche Rahmenbedingungen wird aus einem theoretischen Wahlrecht ein gelebtes Wahlrecht. Die Vielfalt von Wohnangeboten ist deutlich erhöht.

Änderungen, die 2017 anzustoßen sind:

  • Der Soziale Wohnungsbau muss befördert werden. Es soll bei den Kommunen ein "Bündnis für Wohnen" geben, in dem die verschiedenen Akteure (Kommune, Wohnungsbaugenossenschaften, Architekten, usw.) sich mit Planungen und Förderung befassen.
  • Der "Runde Tisch Wohnen", der im Zuge der Flüchtlingskrise etabliert wurde, soll im Hinblick auf das betriebene Engagement/den Aktionismus als Vorbild dienen.
  • Potentiell nutzbare Immobilien sollen systematisch aufgespürt werden (Schulgebäude, Kirchengebäude) und auf die Eigentümer zugegangen werden.
  • Zur (gemeinsamen) Finanzierung kann auch die Gründung von Genossenschaften mit in Erwägung gezogen werden.
  • Mögliche Vorbehalte bei Vermietern und potentiellen Investoren (gewerblich und privat) sollen durch gezielte Information überwunden werden.

Ergebnisse der Gruppendiskussion zum Thema ‚Freizeit':

Situation im Jahr 2037 im Themenfeld "Freizeit"

  • … alle Menschen mit Beeinträchtigung im Kreis Olpe können Olpe gleichberechtigt und selbstbestimmt ihre Freizeit gestalten.
  • … hierfür werden sowohl die neuesten technischen Innovationen (z.B. Freizeit-Planungs-App) als auch Mitmenschen zur Unterstützung herangezogen.
  • … eine Inklusionsagentur als zentraler Ansprechpartner besteht, die Auskunft über (barrierefreie) Freizeitangebote geben kann und auch bei Barrieren die notwendigen Unterstützungsangebote der verschiedenen Anbieter der Behindertenhilfe vermitteln kann. Die Inklusionsagentur berät alle Anbieter zur barrierefreien Gestaltung der Angebote und bietet ihren Service für alle Bürger des Kreises an.
  • … alle Menschen mit Beeinträchtigung im Kreis Olpe sind für alle Arten der Beeinträchtigung sensibilisiert, ein "Umdenken in den Köpfen" hat erfolgreich stattgefunden.

     

Änderungen, die 2017 anzustoßen sind:

  • … die öffentlichen Veranstaltungsräume werden so umgebaut, dass sie barrierefrei nutzbar sind. Barrierefreiheit wird dabei nicht allein auf physische Zugänglichkeit reduziert, sondern erfüllt auch die Bedarfe von Menschen mit Sinnesbeeinträchtigungen.
  • … man sorgt dafür, dass die Inklusionsagentur ihre Arbeit aufnehmen kann.
  • … hierfür kommt ein "runder Tisch" mit allen relevanten Akteuren (Vertreter des Kreises, der Städte und Gemeinden, Vertreter der Anbieter der Behindertenhilfe und Vertreter von Freizeitangeboten) und vor allem Menschen mit Behinderungen zusammen.
  • … zur Vernetzung nutzt man bestehende, gut arbeitende und kooperierende Netzwerke (z.B. das Beratungsnetzwerk).